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CFP: Konferenz: Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter

Datum: 10.-11. Jänner 2019

Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter

Grundlage innovativer, zukunftsorientierter Museumsarbeit ist eine kontinuierliche Reflexion der institutionellen Bedingungen und der Befragung der Rolle von Museen im 21. Jahrhundert. Die interdisziplinär ausgerichtete Tagung widmet sich in einer kunsthistorisch und medientheoretischen Debatte den systemischen, durch den allseitigen Einzug des Digitalen bedingten Veränderungen des Typus Kunstmuseum. Gleichermaßen zu diskutieren sind hierzu Fragen institutioneller sowie publikums- und objektbezogener Variablen.

Traditionelle Kernbereiche musealer Aufgaben wie das Sammeln, Bewahren, Erforschen, Vermitteln und Ausstellen werden zunehmend von digitalen Erweiterungen durchdrungen. Mediale Transformationen versprechen die Überwindung musealer Mauern und den schwellenlosen Austausch mit einem zunehmend vielfältigen Publikum. Dessen individuelles wie kollektives Erleben eines Kunstmuseums ist ebenso grundlegenden Veränderungen und Anpassungen unterworfen.

Digitale Werkzeuge, Techniken und Methoden sind aus dem heutigen Museumsalltag nicht mehr wegzudenken. Unter dem Topos der Gegebenheit des Digitalen versammelt unsere zweitägige Veranstaltung Beiträge, die unter Berücksichtigung der historischen Genese des Kunstmuseums vor allem – aber nicht ausschließlich – folgende Themenbereiche und Fragen reflektieren:

Institution & Strategie
Wie verändert die Digitalisierung von Kulturgütern historisch gewonnene Identitäten der Museen? Hat das Museum künftig andere beziehungsweise zusätzliche Aufgaben als die traditionellen Kernbereiche? Welche Bedeutung ist digitalen Strategien von Gedächtnisinstitutionen beizumessen? Und: Zielen diese Strategien vielleicht in erster Linie auf den kommerziellen Erfolg? Des Weiteren stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Rolle des Museums als Akteur im (kultur)politischen Raum. Welche Auswirkungen der Digitalisierung sind für die Bildungsinstitution Museum zu erwarten? Kann sich dieses einen eigenen kritischen Standpunkt erhalten oder ist mit einem zunehmenden Verlust von Selbstbestimmung zu rechnen? Welche Position soll das Museum vertreten und wer bestimmt das?

Vermittlung & Publikum
Welche Folgen bedingt der Wandel traditioneller Kulturtechniken für das kuratorische Tätigkeitsfeld? Sind mittlerweile Rückwirkungen digitaler auf analoge Arbeits-, Forschungsoder Präsentationsweisen zu berücksichtigen? Fungiert die Kuratorin oder der Kurator noch als solitäre beziehungsweise autoritäre Instanz, wenn neue Formen der Mediatisierung einen neuen Besuchertypus (z.B. die Besucherkuratorin/den Besucherkurator) kreieren oder steht uns – provokativ gesprochen – der „Tod der Kuratorin/des Kurators“ ins Haus?

In weiterer Folge sollen mögliche Wandlungen in der Ausstellungsgestaltung und Kunstvermittlung im Sinne einer interaktiven Einbindung der Besucherinnen und Besucher näher untersucht werden. Verändern digitale Angebote und die Einbeziehung von Social Media das Verhalten des Museumspublikums? Und: In welcher Weise sollten die sich ändernden Erwartungshaltungen des Publikums das realräumliche wie digitale Angebot von Kunstmuseen beeinflussen?

Insbesondere für die jugendliche Publikumsschicht erweisen sich mediale Räume und Angebote von hoher Relevanz. Um diese Zielgruppe vermehrt anzusprechen und zu gewinnen, erscheint es notwendig, ihrer klaren Forderung nach gesteigerten Partizipationsmöglichkeiten (als Konsument und Produzent) nachzukommen. Insofern ist zu fragen, ob die Erreichbarkeit junger Menschen primär über digitale Kanäle zu steuern sein wird? Erfolgt deren Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk eher mittels medialer Unterhaltung und digitaler Erlebnisse anstelle stiller Kontemplation und kultureller Bildung? Gibt es generationenübergreifende Konzepte für die Ansprache? Wie also stellen sich die Kunstmuseen der Herausforderung einer digital geprägten und medial überforderten Gesellschaft?

Objekt & Raum
Sind museologisch längst etablierte Fragen nach Definition und Bedeutung des Exponats als authentisches, originales Objekt und seine Beziehung zum Rezipienten im realen und digitalen Raum vor dem Hintergrund der großen Digitalisierungswellen musealer Sammlungen und den Open Content Strategien neu zu stellen?

Damit einher geht die Suche nach den Entwicklungslinien, die sich zum Ziel die Erweiterung des musealen Raumes gesetzt haben: Wohin führt die Öffnung der Depots durch Digitalisierungsmaßnahmen, das virtuelle Museum oder die Ausweitung der Sinneswahrnehmung durch die Verschmelzung virtueller und realräumlicher Angebote (virtual/augmented reality)?

Was passiert mit den großen Erzählungen? Wenn es stimmt, dass die Raumsequenzen von barocken Palästen die chronologische Erzählung der Moderne bestimmten (Rosalind Krauss), was geschieht daran anknüpfend im digitalen Zeitalter, für welches die Datenbank als symbolische Form definiert wurde (Lev Manovich)?